Umgang mit Trauer und Schicksalsschlägen

Die Gemeinde Dessau erlebte in den letzten Monaten eine besondere Konzentration von Todesfällen und schweren Krankheiten.

„24. Mai 2017 … 4.11 Uhr …
die Welt ist stehen geblieben …“

- diese Facebook-Nachricht trifft die Gemeinde wie ein Schlag. Ein Kind, gerade 12 Jahre alt, muss diese Welt verlassen. Weitere Nachrichten treffen wie Stiche in offene Wunden: Acht Frauen und Männer, viel zu früh aus der Mitte ihrer Familien gerissen. Dazu schwere Krankheiten und Schicksalsschläge bei anderen.

Warum? Diese Frage greift Raum und dominiert so viele Gespräche und einsame Stunden. Hat Gott mich allein gelassen? Trauergefühle und Tränen brechen sich Bahn und lassen der Seele kaum Luft zum Atmen. Dabei muss sie so dringend atmen, möchte „stille zu Gott“ sein. Dass „Gott nie einen Fehler macht?“ ist für den Verstand so unbegreiflich.

Was nun?

Die Gemeinde kann Gott erleben! Sehr einfühlsam und bedacht interpretiert der Chor Lieder, die die Seele stärken. Die Predigten greifen die Ängste und Sorgen der Betroffenen auf, ohne Worthülsen als vermeintlichen Trost zu verkaufen. Trauer hat ihren Platz und ihre Zeit. Kerzen brennen am Altar und am Dornbusch der zurzeit ersatzweise genutzten Georgenkirche.

Dazu die Trauergottesdienste. Groß ist jeweils die Beteiligung, obwohl sich die Termine drängen. Mit großer Offenheit werden die Bedürfnisse der Hinterbliebenen erfüllt. Bunt statt schwarz: Aus einer Trauerfeier wird eine Sonnenscheinfeier. Luftballons steigen in den Himmel. Zum Trauergottesdienst des verstorbenen Chorleiters und aktiven Priesters kommen Kammerchor und Kammerorchester aus Magdeburg und gestalten diesen musikalisch. Unzählige Gespräche unter vier Augen und Unterstützung im Alltag helfen über die größte Ohnmacht.

Trotzdem sollte es weitergehen. Im Gemeindeleben findet nun immer mehr Hoffnung und Freude ihren Platz. In die ökumenische Musiknacht bringt sich der Chor mit getragenen, Hoffnung ausstrahlenden Liedern ein. Der Neuanfang für die Musiker in der Gemeinde schließlich kann durch einen Musikworkshop realisiert werden. Dieser bereitete einen Musikgottesdienst vor – treffenderweise zum tagesaktuellen Bibelwort „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leidens, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.“ (Jer. 29,11). Die in stilistischer Vielfalt vorgetragenen Lieder und Musikstücke rufen viele Tränen hervor. Tränen der Erinnerung, die sich aber schon mit Freudentränen mischen. Die gesamte Gemeinde bringt sich ein. Ist dies nun der endgültige Wendepunkt zu neuen Perspektiven und zur Freude?

Eine Rückmeldung zu diesem Gottesdienst und Workshop bringt es auf den Punkt:

"… In den letzten Wochen hat sich in unserer Gemeinde – wegen der Heimgänge von acht Geschwistern – die Traurigkeit viel Raum genommen. Die Trauergottesdienste haben uns alle sehr getröstet. Aber den vielen Tränen konnten wir kaum Einhalt gebieten. Unsere Geschwister (Jule Roßberg, Claudia Zohm, Jan Hausdorf, Jens Petereit und Martin Irtmann) haben mit freudigem Geist und hoher Professionalität mit uns gearbeitet. Die Freude zieht jetzt wieder bei uns ein. … "